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Wie Eliten die Demokratie gefährden

Posted on | Februar 27, 2019 | Kommentare deaktiviert für Wie Eliten die Demokratie gefährden

21. Februar 2019: Diskussionsveranstaltung mit Prof. Dr. Michael Hartmann

Unter dem bewusst etwas provokanten Titel „Eliten gefährden die Demokratie“ hatte Die Linke den renommierten Soziologen und Elitenforscher Prof. Michael Hartmann eingeladen. Im Rödelheimer Vereinsringhaus, das mit rund 100 Besuchern bis auf den letzten Platz belegt war, sprach Hartmann über die Gefahren der zunehmenden sozialen Ungleichheit in Deutschland und der EU.

Im Gespräch mit dem Moderator Torben Schwuchow erläuterte Hartmann zunächst, was unter dem Begriff Elite zu verstehen ist und grenzte sich entschieden von der oberflächlichen und inhaltsleeren Elitenkritik der Rechtspopulisten ab. Nach Hartmanns Definition gehört zu einer Elite, wer die Macht hat, gesellschaftspolitischen Einfluss auszuüben.

Eine Gefahr sieht Hartmann darin, dass sich die Eliten in Politik, Wirtschaft und auch Medien zunehmend vom Rest der Gesellschaft entfernt haben. Machtpositionen werden beinahe ausschließlich von Menschen aus wohlhabenden Familien besetzt. Und man bleibt gern unter sich. Hartmann kritisiert dies besonders scharf. Denn wer aus sozial starken Familien stammt und in einflussreichen Positionen landet, hat selten einen Blick für soziale Gerechtigkeit und ökonomische Umverteilung. Dies hat einen direkten Einfluss auf politische Entscheidungen, beispielsweise in der Steuerpolitik. Deshalb appelliert Hartmann vor allem an linke Parteien, sich wieder offener für die Anliegen der sozial Schwachen zu zeigen und ihre Spitzenpositionen für Menschen aus bildungsfernen Familien oder Arbeiterhaushalten zu öffnen.

Dass sich große Teile der Gesellschaft abgehängt und nicht mehr vertreten fühlen, nutzen rechtspopulistische Parteien erschreckend erfolgreich aus, um enttäuschte Protestwähler an sich zu binden. Wie man am Spitzenpersonal und dem Programm der AfD sehen kann, haben diese Parteien jedoch überhaupt kein Interesse an sozialer Gleichheit oder an einer Öffnung der politischen Eliten.

Hartmanns Plädoyer für eine Wiederaufnahme einer sozialen Klassenpolitik, die entschieden gegen die soziale Spaltung und damit auch gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck agiert, ist in Rödelheim auf großes Interesse gestoßen. Die zahlreichen Fragen und lebhaften Diskussionsbeiträge aus dem Publikum zeigen das Bedürfnis, sich mit linker Politik im Stadtteil auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt vor den anstehenden Wahlen des europäischen Parlaments, bei denen einmal mehr ein massiver Erfolg des Rechtspopulismus droht, erhoffen wir uns weiterhin eine gewinnbringende Diskussion über die Zukunft linker Politik in Deutschland und der EU.

In seinem jüngsten Buch „Die Abgehobenen” (2018) schildert Hartmann sehr anschaulich, wie sich die Eliten in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr vom Rest der Gesellschaft abgeschottet haben. In der Exklusivität und sozialen Homogenität der Eliten in Medien, Politik und Wirtschaft sieht Hartmann einen wesentlichen Grund für die Durchsetzung der neoliberalen Politik in Deutschland und großen Teilen der EU. Diese Politik, die ausschließlich den Interessen der Reichen dient, hat in vielen europäischen Ländern zu massiven sozialen Spannungen geführt und trägt zum Erstarken rechtspopulistischer Parteien bei. Damit gefährden die Eliten die Demokratie. Um der Politikverdrossenheit und dem Rechtspopulismus entgegenzutreten fordert Hartmann daher eine „durchgreifende Erneuerung der Parteien des linken Spektrums und eine daraus resultierende massive soziale Öffnung der politischen Elite.”

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