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Corona-Schwerpunkt: Bildung

Posted on | April 15, 2020 | Kommentare deaktiviert für Corona-Schwerpunkt: Bildung

Die Schulen sind geschlossen, Unterricht soll durch Aufgabenstellung per Internet kompensiert werden. Was bedeutet das für Familien und Kinder?

Richtig war und ist es, ein Notprogramm zu starten, schließlich sind keine Ferien und den Schülerinnen und Schülern sollte eine Struktur für die plötzliche „freie“ Zeit, die durch Einschränkungen der Bewegungsfreiheit gekennzeichnet ist, zu geben. Zudem sollte in den einzelnen Fächern der Unterrichtsstoff weiter erarbeitet und vermittelt werden.

Hier tauchen nun die Probleme auf:

  • Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind so diszipliniert, selbständig und ohne weitere Unterstützung in der Lage, die gestellten Aufgaben zu erledigen.
  • Eltern sind gefordert, den Arbeitsprozess zu begleiten und die Lehrkräfte zu ersetzen. Vergessen wird, dass Eltern nun neben ihrer Berufstätigkeit und der Organisation des Alltags ein drittes Päckchen zu tragen haben.
  • Abgesehen davon sind nicht alle Eltern in der Lage, ihre Kinder zu unterstützen, liegt doch ihre eigene Schulzeit schon weit zurück. Zudem haben sich die schulischen Anforderungen in den letzten Jahren erheblich verändert.
  • Das Lernen zu Hause wird auch dadurch erschwert, dass nicht alle über die technische Ausstattung mit PC und Drucker verfügen oder diese nur z.T. vorhanden sind.

An diesen wenigen Punkten wird klar, dass der materielle, aber auch der eigene Bildungshintergrund eine zentrale Rolle spielt. Im Ergebnis wird sich die Spaltung zwischen bildungsferneren Schichten und denjenigen, die aufgrund ihrer Ausbildung bzw. ihrer beruflichen Tätigkeit in der Lage sind, ihre Kinder bildungsmäßig zu betreuen, noch weiter vertiefen.

Das Festhalten am Lehrplan in allen Fächern muss zu einer Überforderung der Schülerinnen und Schüler führen. Die Fülle ist nicht zu bewältigen. Völlig außer Acht gelassen wird, dass Eltern und Kinder unter den Einschränkungen, denen wir alle unterliegen, leiden.

Was bedeutet eigentlich Lernen?

Es wird z.T. unterstellt, als würden Schülerinnen und Schüler sich alles allein erarbeiten. Wäre das so, wären PädagogInnen schlicht überflüssig. Selbst eine Betreuung von Lerngruppen durch LehrerInnen über das Internet macht das nicht wett. Lernen funktioniert nicht nach dem Prinzip des Nürnberger Trichter. Lernen ist immer eine Auseinandersetzung in der Gruppe, ein Miteinander, ein sich gegenseitig unterstützender Vorgang, der angeleitet und moderiert werden muss.

Der laut werdende Ruf nach besserer digitaler Ausstattung der Schulen und der Schülerinnen und Schüler ist berechtigt. Dennoch wären damit die Probleme nicht gelöst. Lernprozesse auf eine bestenfalls am Bildschirm zu verfolgende Diskussion zu verkürzen, vergisst, dass Lernen immer auch ein sozialer, intellektueller und emotionaler Prozess ist. Lernen kann nicht auf unterrichtliche Wissensvermittlung reduziert werden, gleichgültig wie gut die digital genutzten Lernprogramme sind. Wer von uns erinnert sich denn noch an Unterrichtsinhalte, die wir in unseren beruflichen oder auch privaten Alltag nicht mehr benötigen? Wir erinnern uns eher an Dinge, die im sozialen Miteinander geschehen sind. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob das Gespenst verlorener Bildungszeit nicht übertrieben ist und den Druck auf Eltern und Schülerinnen und Schüler angesichts der belastenden Situation erhöht?

Die Versäumnisse in der Bildungspolitik, der Ausstattung und der Renovierung von Schulen der vergangenen Jahre, die zu großen Lerngruppen, die fehlenden Lehrerstellen, all das rächt sich nun. Das auf dem Rücken der Betroffenen, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer, auszutragen, ist fatal und falsch. Ein Blick in die Vergangenheit ließe mehr Gelassenheit zu, schließlich sind einige Schülergeneration unbeschadet durch die Zeit der Kurzschuljahre und des Unterrichtsausfalls wegen Lehrermangels gegangen.

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